Willkommen bei Dr. Dieter Mussler
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"Mehr Bescheidenheit statt weiße Elefanten" (20. 03. 2017)

 

Kürzlich habe ich während meines Urlaubs in Südafrika einen weißen Elefanten gesehen. Nicht etwa in einem der wunderschönen Tierparks entlang der Gartenroute, sondern direkt in Kapstadt in unmittelbarer Nähe der Waterfront. Es war kein Chang Phueak, wie die eigentlich nur in Thailand vorkommenden seltenen Albino-Elefanten genannt werden. Sie sind dort heilig und gelten als Symbol für die königliche Macht.

 

Nein, der weiße Elefant in Kapstadt nennt sich Green-Point-Stadion, in dem die deutsche Fußball-Nationalmannschaft seinerzeit im WM-Viertel-Finale Argentinien mit 4:0 abfertigte. Denn im übertragenen Sinne bezeichnet man mit weißen Elefanten auch etwas, das sehr viel kostet aber nur wenig Nutzen bringt. So auch die zahlreichen Sportstadien auf der ganzen Welt, die für viel Geld gebaut wurden und danach mehr oder weniger brach liegen und längst nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden können.

 

Das Cape Town-Stadion sieht zwar von der Ferne betrachtet spektakulär aus. Ein echtes Wahrzeichen der Stadt - im Vordergrund das Meer und im Hintergrund der Tafelberg. Doch hinter den Kulissen bietet sich ein eher erbärmliches Bild. Kein Wunder, denn den jährlichen Einnahmen von etwa einer Million Euro steht mehr als das Vierfache an Unterhaltskosten gegenüber.

 

Die beträchtliche Verschwendung von Steuergeldern für den Bau und den Betrieb dieser Sportstätten wird in hohem Maße mit verursacht von den großen Sportorganisationen, die an die Vergabe ihrer Top-Events, wie beispielsweise die Fußball-WM oder die Olympischen Spiele, vollkommen überzogene Anforderungen stellen. Von deren beträchtlichen, weitestgehend steuerbefreiten Gewinnen fließt hingegen nur ein bescheidener Betrag an das jeweils ausrichtende Land oder die Stadt zurück. Dieser reicht bei weitem nicht aus, um die vielen Milliarden für Investitionen in Stadien und Sportstätten sowie in die Infrastruktur zu finanzieren.

 

So ist es dann auch durchaus verständlich, dass immer mehr Menschen auf die Straße gehen, um gegen die unsinnigen Kosten dieser Sportevents zu protestieren.  So beispielsweise auch anlässlich der Fußball-WM in Brasilien sowie den Olympischen Spielen in Rio. Nach deren Meinung hätten diese Gelder eher für das Gesundheitssystem, für Bildungseinrichtungen oder für die Verkehrsinfrastruktur ausgeben werden sollen. Und was ist heute? Noch mehr weiße Elefanten: So das stolze Maracana-Stadion, das uns Deutschen zwar in bester Erinnerung ist, sich mittlerweile jedoch in einem verwahrlosten Zustand präsentiert. Oder die Arena Amazonia in Manaus, die sich als teure Bausünde erweist. Mitten im Urwald des Amazonasgebietes, wo kaum mehr Fußball gespielt wird.

 

Vor diesem Hintergrund muss man sich dann auch nicht wundern, wenn sich in immer mehr Ländern eine starke Zurückhaltung gegen die Austragung solcher großer Sportereignisse breit macht. Derzeit bekunden eher autoritäre Staaten ihr Interesse. Die Sportfeste finden nun in China, Russland, Qatar oder Südkorea statt. Deren Regierungen sind eher geneigt, sich über den Bürgerwillen hinwegzusetzen und stattdessen dem Streben nach Prestige und internationaler Anerkennung zu entsprechen und hierfür die notwendigen Summen  locker zu machen,

 

Doch dies muss nicht so sein. Schauen wir zum Beispiel auf Deutschland, das 2024 mit der Fußball-EM ein neues Sommermärchen initiieren möchte. Dies nachdem die nordischen Länder Norwegen, Dänemark, Schweden, Finnland und Island ihre gemeinsame Bewerbung zurückgezogen haben, weil sie nur zwei Stadien aufweisen können, die den UEFA-Anforderungen entsprechen - eine kluge Entscheidung. Und eine kluge Entscheidung seitens Deutschland wäre es, sich zwar offiziell um die EM zu bewerben, doch dies mit einem deutlichen Hinweis auf die vorhandene Stadionstruktur. Unsere modernen Stadien, in denen Woche für Woche Bundesligaspiele zumeist vor mehr als 30 000 Zuschauern zur vollsten Zufriedenheit durchgeführt werden, sollten durchaus auch den Anforderungen einer UEFA genügen.

 

Ein solches Beispiel könnte auch für das IOC Schule machen. Denn es macht nun wirklich keinen Sinn, für Winterspiele zum Beispiel Potemkinsche Dörfer  aufzubauen. Vor allem nicht in Regionen, in denen immer mehr der natürliche Schnee durch Schneekanonen ersetzt werden muss. Von der zerstörenden Auswirkung auf die gewachsene Umwelt ganz zu schweigen. Schließlich gibt es genug Orte auf der Welt, die geeignete Möglichkeiten für den Wintersport bieten, wenn nur das IOC etwas bescheidener in seinen Ansprüchen auftritt.                                                                                              

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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